Zeitungsberichte aus Michaelnbach

im Jahre 1892

Neue Warte am Inn 30. Januar 1892

Von der Aschach a d. blauen Donau, 27. Jänner. (Influenza) Auch in unserer Gegend macht die Influenza ihre Macht geltend. Eine merkwürdige Krankheit! Ein Schnupfen oder Sträuchen führt in die dunkle Nacht des Todes. Eine für das menschliche Leben gefährliche Ursache muß in der Luft liegen. Aber was ist das für eine Ursache? Die Gelehrten reden von einem Pneuma und Baccillus! Doch die göttliche Vorsehung läßt sich von der menschlichen Armseligkeit nicht in die Karten schauen! Doch zur Sache. In Eferding waren nacheinander nie so viele Versehgänge wie jetzt. Es werden auch täglich Leichen in das kühle Grab gelegt. In Hartkirchen waren seit 1. Jänner über 26 Versehgänqe und der Todtengräber hat auch hier Dank der heimtückischen Krankheit guten Verdienst. In Aschach, wo nebenbei bemerkt, die Gemeindewahl zur Freude aller Gutgesinnten so gut ausgefallen, ist auch diese Krankheit eingebogen. Die Sterbfälle sind hier nicht so häufig. In Prambachkirchen, Michaelnbach und Waizenkirchen scheint erst jetzt diese Wunderkrankheit Gelegenheit zur Thätigkeit zu finden. In manchen Häusern in der Nähe von Pupping waren alle Bewohner krank, so daß die Inwohner der Nachbarshäuser die Arbeit und Pflege übernehmen mußten. — Das Kloster Pupping blieb, wenige leichte Erkrankungen ausgenommen, bis jetzt von diesem unheimlichen Gaste verschont, während vor 2 Jahren 33 Erklankungungsfälle vorkamen. Merkwürdig ist es auch, daß die Kinder gesund sind und nicht einmal viel husten, während vor zwei Jahren die Kinder am meisten litten. Schreiber dieser Zeilen rauft schon 3 Wochen mit der Influenza. Doch durch Warmhalten der Füße, durch Schwitzen in der Nacht und durch möglichst großes Achtgeben, daß der Magen nicht verdorben wird, kann man den Berufsgeschäften ungehindert nachgehen. Nur ein starker Husten und von Zeit zu Zeit ein Kopfweh stellt sich ein. Achtgeben muß man wenn das Frösteln eintritt; da schnell in das Bett und fleißig aber genau die Kneippsche Kur anwenden. Kommt der Schweiß, ist man in 2 oder 3 Tagen ganz gesund, kommt der Schweiß nach 4 Stunden nicht — die Sacramente empfangen. Alle Leute, welche trotz der kneippschen Kur nicht durch Schweiß den Giftstoff dieser Allerweltskrankheit ausschwitzen, bleiben krank und werden innerhalb eines Jahres sterben. Junge sollen wie sie die Krankheit merken, eine sehr harte Arbeit unternehmen und sich, wenn sie in Schweiß gekommen, drei Stunden in das Bett legen; sie stehen ganz gesund auf. Sierning, 27. Jänner.

Linzer Volksblatt 1. März 1892

Volkswirtschaftliche Mittheilungen. — Pferdemärkte Am Donnerstag den 17. März findet in Eferding der erste diesjährige Pferdemarkt mit Preisvertheilung statt Es gelangen 2 Ehrenpreise mit je 2 Ducaten und 25 Preise im Gesamtbetrage von 109 fl. zur Vertheilung.

 Aus Grieskirchen wird berichtet: Der diesjährige erste Pferdemarkt wurde am 25. Februar abgehalten. Die Herren Pferdebesitzer betheiligten sich zahlreich mit schönen Pferden, so daß die Preiscommission manches hübsche Pferd nicht prämiieren konnte. Nachstehenden Herren Pferdebesitzern wurden folgende Preise zuerkannt. Für 2jährige Pferde:  7. Preis: Andreas Oberhumer, Eberlseder in, Schömlahn, Pfarre Michaelnbach. 8. Preis: Josef Doplbaur, Mair in Bulsam, Pf. Taufkirchen. Der nächste Pferdemarkt in Wels findet am 3. März auf dem geräumigen Vorstadtplatze statt.

Linzer Volksblatt 8. April 1892

Volkswirtschaftliche Mittheilungen. Waizenkirchen. 5. April. (Pferdemarkt.) Bei dem heute abgehaltenen Pferdemarkte wurden nachstehende Herren Pferdebesitzer mit Preisen betheilt, und zwar erhielten: Für den besten Hengst: Josef Lindmair, Parzer in Michaelnbach, für die beste Stute (vom Landes-Culturrath gespendet) 8. Anton Lindmair in Reichenau (Michaelnbach) 3 fl ; 13. Josef Eschlböck, Ebner in Pollersbach (Michaelnbach) Es war viele- schöne- Material hier, aber wenig Käufer und ist nur zu bedauern, daß Pferdehändler und Käufer bei derlei Gelegenheit nur immer bloß bis — Wels und nicht bis Waizenkirchen kommen.

Linzer Volksblatt 20. April 1892

— Folgende Warnung vor einem Schwindler findet sich in der jüngsten Nummer der „Welser Zeitung: „Am 6. d. um die Mittagsstunde kam zum Gefertigten ein 23 bis 25 Jahre alter, gut gekleideter Bauernbursche von großer Statur und brünettem Aussehen, welcher angab, ein Sohn des Mairgutsbesitzers von Schwabenhub, Pfarre Diersbach, zu sein, dessen Vater ihn schicke, bezüglich Ankaufes verschiedener landwirtschaftlicher Maschinen mit mir in Unterhandlung zu treten. Da ich die Verhältnisse des benannten Besitzers als sehr günstige weiß, konnte ich auch keinen Augenblick zweifeln, ein größeres Geschäft mit demselben abzuschließen. Zudem sprach auch das ganze Aussehen, sowie die zutreffenden Mittheilungen über das Befinden meiner dort lebenden Verwandten für die Identität des vermeintlichen Mairsohnes von Schwabenhub. Doch es sollte anders kommen. Nach Abschluss des Handels hieß ich denselben in das Wohnzimmer kommen, allwo er nach eingenommenem Mittagsmahle mir mittheilte, daß mich dessen Vater ersuchen lasse, behufs Zahlung eines gestern gekauften Pferdes ihm Geld borgen zu wollen, da er am gestern stattgehabten Waizenkirchner Pferdemarkte zwei Pferde kaufte und nicht soviel Geld bei sich gehabt habe, um beide zahlen zu können, mit dem einen bezahlten Pferde aber bereits auf dem Heimwege sei. Auf mein Befragen, wie viel Geld er wünsche, sagte mir der Bursche, anzunehmen, was ich halt zu borgen beliebe. Ich äußerte mich, dem Mair in Schwabenhub Geld zu borgen, so viel ich entbehren kann, weil mir dieser Mann Bürgschaft genug ist. Auf mein weiteres Befragen, wo das Pferd abzuholen sei, sagte mir fraglicher Bursche, daß dasselbe bis gegen 2 Uhr zum Wirt in Bruck bei Peuerbach bestellt sei. Die ganze Situation schien mir aber schon bedenklich, als der Bursche keinen bestimmten Betrag verlangte und als ich vernahm, daß der Bursche nach Bruck zu gehen beabsichtige, entschloss ich mich rasch, mit ihm gehen zu wollen, angeblich ohnehin daselbst geschäftlich zu thun zu haben. Plötzlich bemerkte ich an dem Burschen, daß ihm meine angetragene Begleitung nicht gut komme, indem er durch verschiedene Redewendungen mich von meinem Antrage abzuhalten versuchte. Ich ließ mich jedoch nicht beirren, kleidete mich rasch an, lud mir den Revolver, nahm Geld, um bei richtigem Sachverhalte dann dasselbe borgen zu können, und so giengs dahin nach Bruck, meine zweifelhafte Kundschaft immer etwas vor mir treibend. Daselbst angelangt, lud ich den Burschen ein, mit mir ins Gasthaus zu kommen, um vorerst noch ein Glas Bier zu trinken. Er lehnte dies jedoch ab und gieng direct dem Stalle zu, angeblich um nachzusehen, ob das bestellte Pferd schon dort sei. Während ich im Gasthause frug, ob jemand ein Pferd für den Mair in Schwabenhub brachte, was verneint wurde, hat meine Kundschaft sich weiter auf die Suche gemacht, denn als ich nach kaum drei Minuten hinauskam in den Stall, war der Bursche spurlos verschwunden und ich konnte trotz sofortiger Nachforschung nichts mehr von ihm erfahren. Durch dieses Verschwinden habe ich nun vollkommen Klarheit in dieser Sache erlangt und säumte nicht, sogleich dem k. k. Gendarmerie-Posten in Peuerbach die Anzeige hierüber zu erstatten. Anderen Tages fuhr ich nach Diersbach zum Mair in Schwabenhub, um mit demselben Rücksprache zu halten. Dort erfuhr ich, daß dieser Schwindler wahrscheinlich der nämliche Bursche ist, welcher aus Kallham sein soll und in Siegharting, Taufkirchen, Raab, Andorf und anderweitig ähnlichen Schwindel mit sehr gutem Erfolge betrieb. Ich übergebe dieses hiemit der Oeffentlichkeit, um das Pl. Tit. Publicum vor diesem Schwindler zu warnen. Möchte doch der Arm der Gerechtigkeit der beispiellosen Frechheit dieses Zuchthausaspiranten bald das Handwerk legen. Joh. Hötzeneder, Fabrikant landwirtschaftlicher Maschinen in Michaelnbach." — (Es wäre zu wünschen, daß solche Warnungen immer möglichst schnell der Presse bekanntgegeben würden, um Schwindlern rasch das Handwerk zu legen. D. R.)

Linzer Volksblatt 21. April 1892

Taufkirchen bei Schärding. (Geriebener Gauner eingefangen.) Endlich wurde die Gendarmerie gestern, am 18. d., des gefährlichen Gauners habhaft, von dem dieses Blatt berichtete, daß er dem hiesigen Arzte Herrn Josef Wislinger 25 fl. heraus schwindelte. Wie man vernimmt, soll dieser geriebene Schwindler einem Bauer von Diersbach 100 fl., ebenso in der Pfarre Andorf mehreren größere und kleinere Geldbeträge herausgelockt haben. Es ist derselbe, der sich auch an Hrn. Hötzeneder, Maschinenfabrikanten in Michaelnbach, mit einem schwindelhaften Pumpversuch heran machte, aber gewaltig abblitzte. Er war, wie man sagt, früher ein ganz ordentlicher Bursche und arbeitete in einem Steinbruch, bis er die Tochter von Inwohnersleuten in Füchsledt, Pfarre Diersbach, kennen lernte und mit ihr im offenkundigen Einverständnisse der Eltern ein Liebesverhältnis führte. Zu einem gemüthlichen und idyllischen Leben gehört aber auch Geld und dies suchte der 25jährige Bursche auf verbrecherischem Wege zu verschaffen. Die Verhaftung erfolgte unter Umständen, die vermuthen ließen, es handle sich zum mindesten um einen Räuberhauptmann. Nicht weniger als vier Gendarmen und eine Schar Leute umzingelten das Haus, in dem er mit seiner Geliebten und deren Eltern wohnte, fiengen ihn heraus und transportierten ihn vorläufig nach Münzkirchen.

Linzer Volksblatt 2. Juni 1892

Waizenkirchen. (Bezirks-Feuerwehrtag.) Ein reges, munteres, aber dabei in anerkennenswerter Weise die rechten Grenzen nicht überschreitendes Treiben herrschte gestern Sonntag nachmittags in unserem schönen Markte durch die Abhaltung des Bezirks-Feuerwehrtages Waizenkirchen-Peuerbach. Nach feierlichem Empfang jeder der drei auswärtigen Feuerwehr-Deputationen von Peuerbach, Waldkirchen und Michaelnbach, welch letztere besonders stark vertreten war und zugleich eine gutgeschulte Capelle mitsendete, fand die Delegiertensitzung statt und zwar laut Programm in nach nachahmenswerter Rücksicht noch vor dem nachmittägigen Gottesdienste. Daß die von der hiesigen löbl. freiwilligen Feuerwehr abgehaltene Hauptübung von einem zahlreichen Publicum mit Interesse angesehen wurde, braucht wohl keiner weiteren Erwähnung. Die darauffolgende gemüthliche Unterhaltung, die sich vorzüglich auf das in H. Längs Garten von der Michaelnbacher Capelle ausgeführte Concert koncentrierte, gab reiche Gelegenheit, wieder ein paar schöne, fröhliche Stunden der vielfachen Kümmernisse dieses Lebens zu vergessen.

Linzer Volksblatt 1. September 1892

Waizenkirchen, 30. August. (Großer Brand.) Heute Dienstag, nach 2 Uhr Nachmittag, Feueralarm. Es brannte in Esthofen; zwei Objecte, Hansmair und Fischer, sind ein Raub der Flammen geworden. Bei Fischer ist alles Vieh, beim Hansmair sind die Schweine mit zugrunde gegangen. Das Feuer ist im Stadel des Fischer, unbekannt wie, ausgebrochen. An der Unglücksstätte waren sieben Feuerspritzen erschienen: von Heiligenberg, Waizenkirchen, Neukirchen, Peuerbach, Prambachkirchen und Michaelnbach.

Linzer Volksblatt 14. September 1892

Waizenkirchen, 11. September. (Wieder Feuer.) Heute, 1 Uhr nachmittags, neuerdings vom Thurme unheimliches Feuersignal. In Niederspaching ward ein Häuschen aus bisher unbekannter Ursache ein Raub der Flammen. Dank den schnell erscheinenden Feuerwehren von Waizenkirchen und Michaelnbach ward der Brand localisiert.

Linzer Volksblatt 17. September 1892

Landwirtschaftliche Ausstellung. In der Maschinen- und landwirtschaftlichen Ausstellung erhielten Anerkennungen: 4. J. Hötzeneder in Michaelnbach, für ausgestellte Futterschneidemaschinen, die bronzene Staatsmedaille.

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