Zeitungsberichte aus Michaelnbach

im Jahre 1906

Linzer Volksblatt 3. Januar 1906

Michaelnbach, 31. Dezember. (Schlußjagd. - Konzert.) Am Mittwoch den 27. Dezember wurde hier die Schlußjagd abgehalten. Das Wetter war äußerst günstig und es haben sich zahlreiche Schützen eingefunden, die ein sehr günstiges Jagdergebnis erzielten. Abends versammelte man sich in Hrn. Eggers Gastlokalitäten zu einer recht gemütlichen Unterhaltung, die außerordentlich gut besucht war, war ja doch der Zweck ein edler, nämlich die Unterstützung der hiesigen Suppenanstalt. An Stelle eines Eintrittsgeldes wurde eine kleine Verlosung veranstaltet, die eine Summe von 70 K für die Suppenanstalt abwarf. Großer Dank gebührt der bewährten Pollheimer Streichkapelle, die in uneigennütziger Weise ihre Kräfte für diesen Abend zur Verfügung stellte und unter der kundigen Leitung des Herrn Schulleiters Müller wirklich vorzüglichen bot. Es hatten sich liebe Gäste eingefunden aus Zell a. d. Pram, Raab, Enzenkirchen, Willibald, Pötting, Peuerbach, Grieskirchen, Waizenkirchen, St. Thomas und so weiter; nur zu schnell verflogen die Stunden. All den Gästen, die gekommen, rufen wir zu: Auf Wiedersehen in Michaelnbach.

Linzer Volksblatt 27. Januar 1906

Dienstag den 23. Jänner feierten in der hiesigen Pfarrkirche Herr Johann Niederhauser, Schneiderssohn zu Bruck a. d. Aschach, mit Fräulein Juliana Kalliauer, Oekonomstochter von Michaelnbach, ihre Vermählung. Die Neuvermählten hielten die außerkirchliche Feier im Gasthause des Herrn Joh. Zehetmaier zu Bruck. Von der großen Beliebtheit des Brautpaares zeigte die riesige Beteiligung. Schon seit langem nimmer waren anläßlich einer Hochzeit soviel Leute beisammen. Die beiden Neuvermählten wollen sich das Schneiderhaus zu Inzing, Pfarre Peuerbach, kaufen. Mögen sie recht glücklich und zufrieden sein!

Linzer Volksblatt 9. Februar 1906

Michaelnbach, 7. Februar. (Verschiedenes.) Heute wurde Franz Peham, lediger Auszügler vom Holzingergute in Krumbach, beerdigt. Er war ein eifriger Katholik, tüchtiger Volksvereismann und Förderer wohltätiger und nützlicher Vereine und wegen seines biederen Charakters allseitig beliebt. Durch viele Jahre war er Zechpropst und Patronatscommissär der Pfarrkirche Und ein großer Wohltäter derselben. Nach langem Leiden starb er im 75. Lebensjahre.
- Endlich bereitet sich eine Schlittenbahn, selbe ist den Oekonomen zu allerlei Wirtschaftsfuhren sehr erwünscht.
- Am 18. Februar hält die hiesige Grünobergesellschaft in Wohlmairs Gasthaus ihren Ball ab.- Am 19. Februar veranstaltet die bestbekannte Oberinnviertler Sängergesellschaft in Eggers Gasthaus ein Konzert. Somit wäre auch hier für Faschingsunterhaltung gesorgt.

Linzer Volksblatt 25. März 1906

Der schon öfter abgestrafte Josef Stieger, geboren am 30. Oktober 1877 zu Prambachkirchen und nach Michaelnbach zuständig, war Hausknecht beim Eisenhändler Otto Eysn in Mauthausen. Als solcher entwendete er im vorigen Jahre 24 Kronen, weshalb er vom Landesgerichte Linz am 16. August v.J. zu 6 Monaten Kerker verurteilt wurde. Nach Verbüßung der Strafe wurde er am 17. Februar d. J. entlassen. Am 28. Februar d. J. wurde beim Kaufmanne Eysn zur Nachtzeit im Gewölbe eingebrochen und aus einer Geldlade 20 Kronen und aus einer zweiten Lade zum Nachteile des Alois Eysn, Bruder des Kaufmannes, 55 Kronen 23 Heller und ein Messer mit einer Hirschhornschale gestohlen. Der Verdacht, diesen Diebstähl begangen zu haben, lenkte sich auf den erst wenige Tage vorher aus der Strafhaft entlassenen Stieger, welcher mit den Verhältnissen im Hause bekannt war. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung seiner Geliebten in Obergaumberg wurden auch mehrere Küchengeräte gefunden, welche aus dem Eysnschen Geschäfte stammten und welche Stieger derselben schenkte. Selbe wurden auf 12 Kronen 70 Heller bewertet. Stieger leugnete in der Voruntersuchung hartnäckig den Diebstahl. Als ihm jedoch heute der Vorsitzende LGR. Dr. Taub die Anklage vorlas, worin ihm bewiesen wurde, daß nur er allein der Täter sein könne und er aufmerksam gemacht wurde, daß er durch ein aufrichtiges Geständnis eine mildere Strafe bekommen könne, gestand er den Einbruch und die Diebstähle unumwunden ein. Er entschuldigt sich dahin, daß er seine Geliebte heiraten wollte und kein Geld hatte. Er wurde zu einer Kerkerstrafe in der Dauer von 7 Monaten, verschärft mit einem Fasttage monatlich, verurteilt; auch wurde über Antrag der Staatsanwaltschaft die Stellung unter Polizeiaufsicht über ihn ausgesprochen.

(Neuigkeits) Welt Blatt 3. Mai 1908

Michaelnbach in Oberösterreich wird uns berichtet: Am 26. April feierte der hiesige Gemeindearzt .Heinrich Hamann zwei Jubiläen zugleich, nämlich sein 70. Wiegenfest und sein 50jähriges Arztjubiläum. Aus diesem Anlas; war der greise Jubilar Gegenstand mannigfacher Sympathiekundgebungen. Zur Beglückwünschung hatten sich die Gemeindevertretung, Ortspfarrer Nöbauer, die verschiedenen Vereine und die hiesige freiwillige Feuerwehr korporativ eingefunden. Die Feuerwehr benutzte diese Gelegenheit, den verdienten Gemeindearzt als langjährigen Kassier der Wehr und seine Gattin als ehemalige Fahnenmutter zu ihren Ehrenmitglieder, zu ernennen. Ortspfarrer Anton Nöbauer überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und würdigte in schwungvoller Rede die vielen Verdienste des menschenfreundlichen Arztes. Sichtlich gerührt dankte der Jubilar, welcher der Vertreter eines altehrwürdigen oberösterreichischen Aerztegeschlechtes ist, das schon vier Generationen hindurch dieser Wissenschaft dient.

Linzer Volksblatt 16. Mai 1906

Michaelnbach, 14. Mai. (Hochzeit.) Heute wurden in der hiesigen Pfarrkirche Anna Muggenhumer, Bauerstochter vom Böhmergute in Oberreitbach, mit Franz Lindmayr, Ebnersohn in Unterreitbach, getraut. Den Trauungsakt vollzog Herr Redakteur Kienbauer, ein naher Verwandter der Braut. Die außerkirchliche Hochzeitsfeier wurde im Gasthause zu Furt abgehalten.

Linzer Volksblatt 17. Mai 1906

Michaelnbach, 15. Mai. (Hochzeiten.) Am Sonntage wurden 3 Paare ausgekündet, und es heißt von diesen drei Paaren jeder Bräutigam Franz und jede Braut Anna. Zwei Paare hielten am Montag den 14. Mai Hochzeit. Um 9 Uhr wurde Franz Rößlhumer, Knecht, mit Anna Schönbauer, Magd, getraut. Deren Hochzeitstafel war in Georg Floimairs Gasthause in Grub. Um 10 Uhr war, wie schon gemeldet, die Trauung des Herrn Franz Lindmair, Bauerssohn vom Emergute in Unterreitbach, mit Anna Muggenhumer, Bauerstochter vom Böhmergute in Oberreitbach. Die Brautleute übernahmen das väterliche Anwesen der Braut, das Böhmergut in Oberreitbach. Und damit der Michaelnbacher Brauch eingehalten werde, „Entweder lange nichts oder gleich mehr auf einmal", war am Montag zwischen den zwei Trauungen um ½ 10 Uhr die Beerdigung der Agnes Schamberger, Bauerskind vom Christlmairgute in Mairdopl. Das dritte Brautpaar: Franz Kutzenberger, Besitzer des Ortnergutes in Stefansdorf, Pfarre Peuerbach. und Anna Breitwieser, Bauerstochter vom Loiplgute in Hilpertsberg, hiesiger Pfarre, hat am Dienstag in Peuerbach seine Hochzeit. Viel Glück und Segen den drei Brautpaaren.

Salzburger Volksblatt: unabh. Tageszeitung f. Stadt u. Land Salzburg 9. August 1906

(Der Sturz von der Leiter.) Am 10. Juli fuhr der Kutscher Ludwig Schneglberger, bedienstet in Ruhlands Selcherei, mit seinem einspännigen Fuhrwerke so rasch und unvorsichtig durch die Bäckergasse, dass er eine an der Straßenkante stehende Malerleiter umstieß und der 26jährige Malergehilfe Ferdinand Schilder beinahe aus 2 Stockhöhe zur Erde stürzte, wodurch er sich schwere Verletzungen am rechten Fuße, Arm und .Hüften zuzog. Schneglberger, der 1880 in Buch geboren und nach Michaelnbach zuständig ist, wurde wegen Schnellfahrens und Übertretung gegen die körperliche Sicherheit zu vierzehn Tagen strengen Arrestes mit zwei Fasttagen verurteilt und hat an Schilder 60 K an Schmerzensgeld und 123 K 20 h an Verdienstentgang zu leisten.

Linzer Volksblatt 17. Oktober 1906

St. Marienkirchen a. d. Polsenz, 15. Oktober, (Unglücksfall — Doppelhochzeit.) Der Bauerssohn auf dem Untermairhofergute in Valtau Herr Johann Ortmayr erhielt am letzten Samstag durch das Ausschlagen eines Pferdes am rechten Unterarm eine nicht unbedeutende Verletzung. Zum Glücke wurde gerade durch den Arm der Schlag gemildert, sonst wäre der Magen oder der Unterleib getroffen worden, was ein trauriges Ende hätte nehmen können. — Herr Karl Litzlbauer, Uhrmacher in Furth, hält am Dienstag seine Vermählung mit Frl. Rosa Sallaberger von Michaelnbach; seine Schwester, Fräulein Anna Litzlbauer, wird am gleichen Tage unserem Mesner Herrn Ignaz Huemer die Hand zum ehelichen Bunde reichen.

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