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Michaelnbach in der Franzosenzeit
 
Manch Oberösterreicher sehnte sich die revolutionären Franzosen herbei und manch Innviertler Bauer hoffte wieder bayrisch zu werden, aber - nach 3maliger Besatzung und 15 Jahre Krieg war jede Euphorie verflogen. Mit hohen Kriegsabgaben, Versorgung und Einquartierung von Soldaten und Pferden, Plünderung und sogar Mord machten die Michaelnbacher in dieser Zeit Bekanntschaft. Die Angst vor den Franzosen muss schon beträchtlich gewesen sein, denn die Michaelnbacher baten 1801 beim Kreisamt des Hausruckviertels um Schonung und Rettung eines französischen Soldaten der wegen eines Streites um Montur-Stücke (Uniform) mit seinem Säbel einen Michaelnbacher (?Leinenweber) erstochen hatte.

Einige Geschichten, besser gesagt "Sagen" aus der Franzosenzeit haben sich bis heute erhalten. Sagen sind die Wirklichkeit übersteigende mündliche Überlieferungen basierend auf wahre Begebenheiten, Personen oder Orte, die den Eindruck eines solch wahren Berichtes erwecken. Das trifft mit Sicherheit auch bei diesen Erzählungen zu.

Bayern Zollhaus, Zöllner, Schmuggler und die bayerische Grenztafel
"Das Anwesen in in der Ortschaft Haus Nr. 5 war das ehemalige Zollhaus und es blieb ein emailiertes Grenzschild erhalten welches in den Zwanzigerjahren (1920) in einer Grundmauer einbetoniert wurde. Hinter dem Wirtshaus bei der Brücke in Unterfurth wurde kräftig Schmuggelgut getauscht. Laut Erzählung kamen gleichzeitig 2 Fuhrwerke auf die Grenze zu, - die Wägen wurden getauscht und jeder trat seine Heimreise an so als ob nichts gewesen wäre und der Zöllner hat dabei nichts bemerkt."
Analyse der Geschichte:
Das Haus mit der Nr. 5 steht nahe am Bach entlang dem die bayerische Grenze verlief. Tatsache ist, dass die neu geschaffene bayerische Grenze ausgehend von der Donauschlinge in Schlögen mit dem Grenzpunkt Nr. 1 fortlaufend nach Süden weiternummeriert wurde. Die Grenzpunkte Nr. 36 bis Nr. 56 lagen im Gemeindegebiet Michaelnbach wobei der Grenzpunkt Nr. 51 am Grenzplan in der Nähe des Anwesen Haus 5. dokumentiert ist, nicht jedoch die angelbliche Zollstation.
Ebenfalls unschlüssig ist das Zollhaus mit einem dauerhaft besetzten Grenzposten an einer Stelle wo keine Straße über die Grenze führt, denn die nächst gelegenen Grenzübergänge waren in Furth und in Michaelnbach. Nicht nachvollziehbar ist auch die emailierte Blechtafel, da solche Tafeln bei Grenzmarkierungen nicht verwendet wurden. Nur bedeutende bayerische Grenzübergänge waren durch schwere Gusstafeln gekennzeichnet. Grenzpfosten oder Grenzsteine waren nur bemalt. Allerhöchstens könnte es sich für den Fall das diese Tafel tatsächlich existiert hat und aus dieser Zeit stammte um eine bemalte Holz- oder Blechtafel gehandelt haben. Email wurde damals nur für Kunst und Schmuck verwendet.
  Bayrische Grenzmarkierung 
So könnte die Tafel mit der Nr.51
ausgesehen haben

Der noch erhaltene Flurname „Bayrisches Feld“ welches zwischen den Grenzpunkte Nr. 51 bis Nr. 52 liegt dürfte auf einen auf österreichischer Seite liegenden Vorbesitzer zurückgehen.

 
Bayern  Zur Taufe nach Österreich
Die Überlieferung, dass man Kleinkinder – um sie ja nicht in Bayern taufen zu müssen, in das benachbarte St. Thomas (also nach Österreich) zur Taufe brachte bewegt sich teilweise im Bereich der Sagen, da halb Michaelnbach ohnehin zur Pfarre St. Thomas gehörte.
Tatsache ist, dass Michaelnbach durch die bayerische Grenze geteilt wurde und in Folge dessen die Ortschaften der Pfarre Michaelnbach welche auf der österreichischen Seite verblieben bis 1822 in St.Thomas eingepfarrt waren. Somit gab es für die Hälfte der Michaelnbacher keine andere Wahl als zur Taufe nach St. Thomas zu gehen. Anhand der Taufbücher wäre zu prüfen ob tatsächlich von der bayerischen Seite Michaelnbachs Kinder in St. Thomas getauft wurden.
 
Bayern  Der bayrischer Soldat

Nach einer Erzählung des alten Mittiner in Reichenau 3 wollte sich im Jahr 1809 ein bayrischer Soldat beim Schmied in Schölmlahn 3 (Bauernschmied) von einem dort auf der Stör (ein Handwerkers arbeitet für Kost und Lohn im Haus des Kunden) befindlichen Schuster seine Stiefel reparieren lassen. Zufällig kamen mehrere Leute ins Haus, die über die Rücksichts- und Erbarmungslosigkeit der Besatzungstruppen zu berichten wussten. Das machte den ebenfalls anwesende „Wendl von Aichet bei Kiesenberg 2“ so wütend, dass er den Soldaten mit einem eichenen Türriegel totschlug obwohl dieser seine Unschuld beteuerte. Um die Tat zu vertuschen und den Eindruck zu erwecken dieser wäre dessertiert hat man den Leichnam in einer Grube beim Hartmannseder (Schölmlahn 13) verscharrt. In den dreißiger Jahren (=Nov 1932) wurde beim Roden von Erlenstöcken ein Skelett entdeckt jedoch an Ort und Stelle belassen.

 
Frankreich  Die Franzosengräber in der Schöppling

Laut Überlieferung wurden in der Franzosenzeit dort Gräber für verstorbene Soldaten angelegt.
Die Schöppling war ein kleiner Wald nördlich der Ortschaft Niederwödling. In der Franzosenzeit bestand dieser noch aus 2 Teilen mit einem dazwischen liegenden Feld. den nördlichen Teil bildeten 5 schmale streifenförmige Parzellen die als seltsam anmutende Erlenreihen mit dawischen liegenden Wiesenstreifen bis zur Grundzusammenlegung erhalten blieben. Im Zuge der Rodung wurden auch die Wurzelstöcke vergaben, jedoch von irgend welchen Gräbern fand sich keine Spur.

Jede Sage hat auch einen wahren Hintergrund, -so die These. Einige Anhaltspunkte gibt es, -für die Gewissheit wären Grabungen nötig. Der erste Ansatzpunkt wäre in der Parzelleneinteilung zu suchen. Im Zuge der Einführung der fränkischen Dreifelderwirtschaft und des Flurzwangs wurde die Felder eines Weilers (Ansiedlung meherer Häuser) entsprechend der Anzahl der Häuser in schmale, streifenförmige Parzellen unterteilt. Dabei wiederholte sich die Reihenfolge der Bewirtschafter (z.B. 3 Häuser und 9 Streifenparzellen - dem ersten Bewirtschafter war Parz. 1, 4, und 7 zugeteilt usw.) , so das jeder gleiche Erträge erwirtschaften konnte. Bezeichnet wurde diese Gebietseinteilung als Luß (Luss, Gwann). Der Flurzwang verpflichtete jeden im Rahmen der Dreifelderwirtschaft sich an die abgesprochene Fruchtfolge und die zeitlich abgesprochene Arbeit zu halten. Pflügen, Säen und Ernten mußte auf einer Luß immer zur gleichen Zeit ausgeführt werden.
Es existierten in dieser Gegend 2 interessante Gebietsbezeichnungen, - "Schönberg oder Schanberg" und "im Freithof". Es bedürfte einer genauen Analyse der einzelnen Flurbezeichnungen der "Wedlingerfelder" und des "Schönbergs" um konkrete Rückschlüsse zu ziehen. Vermutlich am ehesten zu finden wäre ein ehemaliger Friedhof, falls er bestand, auf dem zwischen den beiden Waldteilen gelegenen Feld. Dies entspräche der Praxis in Pestzeiten von Siedlungen entfernt Tote zu bestatten aber auch die Zuordnung als Friedhof der Kirche in Wödling wäre vorstellbar. Eher unwahrscheinlich ist ein von Franzosen geschaffener Friedhof, auch wenn möglicherweise dort französische Soldaten ihre letzte Ruhe fanden.

Schöppling zwischen Zelli und Niederwödling
 
Franzosenkrieg 1801  Das Franzosenkreuz in Gaißed
Es wäre übertrieben zu sagen das Land ist übersät mit Franzosenkreuze, eine Seltenheit sind sie aber auf keinen Fall. Sie stehen so wie auch die Pestsäulen an Straßen- oder Wegkreuzungen und erinnern uns an schreckliche Ereignisse. Warum ist das so?

Wo Menschen wohnen gibt es auch Wege. Nicht nur einen, sondern ein ganzes Wegenetz mit überregionalen und regionalen Zielen und es gibt Wege die als Sackgasse enden. So wie wir heute Tafeln aufstellen die uns den Weg weisen, so taten es auch die Kelten, die Römer und die Leute im Mittelalter. Anfangs waren es bemalte oder eingekerbte Holzpfähle, Wegekreuze oder aufrecht eingegrabenen Steine. Es musste nur leicht erkennbar sein dass sie von Menschenhand geschaffen wurden und den Weg weisen. Diese Wegweiser wurden laufend erneuert, ersetzt, der Zeit und den Bedürfnissen angepasst und im Mittelalter um nicht "heidnisch" zu wirken in christliche Symbole verwandelt. Den selben Hintergrund haben auch die Pestsäulen, Wege- oder Flurkreuze in Michaelnbach.
Das Wegkreuz in Gaißed wurde dem Gedenken an das Mordopfer Peter Schmidtsberger gewidmet. Schmidtsberger wurde im Jahre 1801 einige Tage bevor die Franzosen das Land verließen mit einem Säbel erstochen. Dem Mord ging ein Streit um ein nicht oder nicht mehr rechtzeitig fertiggestelltes Uniformstück voran. Er war vermutlich Leinenweber in dem mittlerweile abgetragenen Haus Gaißedt 4, denn in diesem Haus starb Jahre zuvor ein Kind mit Namen Peter Schmidtsberger.
 
 
 
Krieg & Friede mit Frankreich
  • Im Ersten Koalitionskrieg 1792 bis 1797 litt Oberösterreich unter Einquartierungen und den Durchzug der eigenen Truppen. am 13. Mai 1779 beendete der Friede von Teschen den Bayerischen Erbfolgekrieg und  Österreich bekam das 600 Jahre lang bei Bayern verbliebene Innviertel zugesprochen, das in seinen Grenzen weitgehend dem heutigen Innviertel entsprach.
  • Im Zweiten Koalitionskrieg 1800, war das Land mehrfach Kriegsschauplatz. Am 2. November marschierten die Franzosen in Linz ein und Strnad schreibt in seinem Buch dass die Franzosen am 21. Dezember 1800 in Peuerbach einrückten, im Pfarrhof die Kriegskanzlei eröffneten, Pfleger, Marktrichter und Benefizianten misshandelten weil die geforderten Gelder nicht unverzüglich beischafften. Die Franzosen blieben bis zum 19. März 1801.       
    Auch Michaelnbach machte mit den Franzosen Bekanntschaft, denn Pfarrer Wolfgang Summmer schriebt auf Seite 70 ins Pfarrurbar „Anno 1800 sind die Franzosen in das Land eingefallen. Den 29. (Dezember?) bekam ich französisches Quartier, welches mir durch mehr als 3 Monate viel Unkösten machte. Es hat mich über 100 Gulden gekostet."
    Der Waffenstillstand vom 25. Dezember 1800 in Steyr stoppte den Vormarsch der Franzosen aber das Gebiet westlich der Erlauf blieb bis zum Frieden von Luneville am 9. Februar 1801 von den Franzosen besetzt. 
    Noch im Jahre 1801 berichtet das Michaelnbacher Sterbebuch dass Peter Schmidtsberger am 12.März 1801 von einem Franzosen gewaltsam erstochen wurde. Der Säbel-stich ging durch die Leber. Anfang April 1801 verließen die Franzosen unser durch Besatzung, Einquartierungen, Plünderungen, Beschlagnahmen und hohe Abgaben ausgebeutetes Land.
  • Im Dritten Koalitionskrieg 1805 erlebte Oberösterreich eine harte Zeit durch die zurückweichenden russischen und kaiserlichen Truppen und die ihnen nachfolgenden Franzosen. Strnad schreibt dazu in seinem Buch über Peuerbach von der neuerlichen Besetzung durch die Franzosen, welche vom 31. Oktober 1805 bis 6. März 1806 dauerte.
    Pfarrer Wolfgang Summer schreibt im Michaelnbacher Pfarrurbar:
    1805 „Dieses Jahr sind die Franzosen wieder mit 240.000 Mann in das Land eingefallen und haben viel Unglück und Elend gestiftet. Den 2. November kamen 4 berittene Artilleristen, plünderten alles Geld – auch die Bancozettel (die ersten Banknoten) von mir, und wurde abgefördert. Den 2 Soldaten musste ich noch 25 Gulden geben.
    2.11.1805 Vom Pfarrhof wurden zwei Pferde requiriert (beschlagnahmt) und den beiden Soldaten, die sie holten musste Pfarrer Summer das letzte Geld geben.
    Feber 1806 kam französisches Stand Quartier. Hierher kamen Dragoner Regimenter. Das Volk und die Geistlichen mussten viel erdulden, denn die Soldaten mussten samt ihren Pferden verpflegt werden.. Ich hatte durch 3 Tage 3 Offiziere und 4 Pferde, berichtet Pfarrer Summer im h. Pfarrurbar auf Seite 72. Weiters schreibt er: „ Alsdann kam General Sohn ... von 24. Dragoner Regiment ins Quartier in den Pfarrhof und blieb 6 Tag. Am 24. kam ein Dragoner ....Plichon vom 3. Dragoner Regiment mit 1 Domestiten (Diener) und 3 Pferden. Dieser war ein recht grober Mann. Plichon war 3 Wochen in Quartier bei mir im Pfarrhof. Hielt in den ganzen Wochen gute Disziplin und war in der Tat ein Wohlgesinnter für meine Gemeinde, wie ein Freund in meinem Hause und bezahlte jeden mit einem Kronenthaler. . (Quelle: Pfarrurbar Michaelnbach, Seite 72).
  • Im fünften Koalitionskrieg 1809 gegen Frankreich überschritten am 10. April österreichische Truppen den Inn und besetzten Passau und München. Sie wurden aber in der Schlacht von Abensberg und Eggmühl geschlagen und die Rückzugsgefechte zogen sich durch ganz Oberösterreich: bei Polling, Riedau, Kallham, Neuhofen am Inn, Tumeltsham, Pötting, Lambach.
    Strnad schreibt hierzu. " Am 29. April schlugen die Franzosen an der Holzstraße in der Sallet ein Lager; am 1. Mai wurde nach einem kurzen Vorpostengefecht von den Franzosen der Markt besetzt, wobei der Pfarrhof und mehrere Häuser der Plünderung unterlagen. Auch die Kirche wurde nicht verschont, der Tabernakel aufgebrochen und die Monstranz hinweg genommen. …… Im Herbst begann wieder der Rückmarsch der Franzosen über Peuerbach. …. Erst im März 1810 wurde der Markt von den Franzosen geräumt.
    Am 13. Mai 1809 rückten die Franzosen in Wien ein.
    Im Frieden von Schönbrunn (14. Oktober 1809) musste Österreich das Innviertel und den westlichen Teil des Hausruckviertels abtreten. 1810 wurde mit dem Pariser Vertrag die Abtretung besiegelt.
    1813 befürchtete man einen neuerlichen Einfall der Franzosen, weshalb an strategischen Punkten Schanzen aufgeworfen wurden. Napeolons endgültiger Fall beendete die lange Tragödie.
    Am 3. Juni 1814 wurde in Paris die Rückgabe des Innviertels und des westlichen Hausruckviertels vereinbart. Die Übergabe verzögerte sich aber. Erst am 14. April 1816 kam es nach österreichischen Drohungen zum Münchner Vertrag und der endgültigen Übergabe. Auch Salzburg wurde der obderennsischen Regierung unterstellt und als fünfter Kreis Oberösterreichs, so genannter Salzburgkreis, verwaltet.
    Mit dem Wiener Kongreß zog sich Österreich mit dem Verzicht auf die ehemaligen Vorlande aus Deutschland zurück, erhielt aber von Bayern Tirol, Vorarlberg, Salzburg und das Inn- und Hausruckviertel zurück.