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Der "Schwarze Tod": Die Pest im Mittelalter

 

Die Pest in Europa

Im Mittelalter wurde Österreich öfter von der Pest heimgesucht. Leider existieren darüber, wann genau und in welchem Gebiet die Pest auftrat die unterschiedlichsten Angaben. Es existierten zwei Arten der Pest. Die Beulenpest, sie wurde von Ratten- und Menschenflöhen übertragen und äußerte sich in eitrigen Beulen an den Lymphknoten der Achselhöhlen und Leisten. Zwischen 30 und 60 Prozent der Erkrankten verstarben daran ihr. Die Lungenpest hingegen wurde durch Tröpfcheninfektion übertragen, sie verlief meist tödlich.

Die Menschen bekamen von der ihnen unbekannten Krankheit Fieber, merkwürdige Beulen am ganzen Körper, und starben kurz darauf. Woher die Krankheit kam, wussten die Leute des Mittelalters nicht, fanden aber bald die Schuldigen. Schlechte Winde, eine ungünstige Konstellation von Mars, Jupiter und Saturn oder der Zorn Gottes wurden als Ursache ausgemacht. Vielerorts machten die Menschen verseuchtes Wasser für diese unheimliche Krankheit verantwortlich und auch der Grund dafür war schnell gefunden. Die Juden wurden als Brunnenvergifter beschuldigt und daraufhin in ganz Europa verfolgt, vertrieben oder ermordet. Dabei ignorierte man aber, dass die Juden genauso an der Pest erkrankten und starben.

1347 bis 1352 wütete die Pest in fast ganz Europa. Sie war aus der Stadt Caffa am Schwarzen Meer eingeschleppt worden. Die Hafenstadt Caffa, das heutige Feodosija auf der Krim-Halbinsel, war damals einer der wichtigsten Umschlagplätze der in Genua ansässigen Händler. Von dort breitete sich die Pest über deren Handelswege in ganz Europa aus und erreichte 1348 Österreich. Anfang des Jahres 1349 war bereits ganz Österreich von der Pest erfasst.. Vorsichtig geschätzt, verloren dabei 30% der Bevölkerung ihr Leben, in manchen Gebieten sogar bis zu zwei Drittel. Viele Menschen flüchteten in Panik aus den betroffenen Städten aufs Land, wodurch sich die Seuche umso schneller und weiter verbreitete. Zwischen 1347 und 1352 starben so schätzungsweise ein Drittel der gesamten europäischen Bevölkerung an der Pest. Wirklich zuverlässige Opferzahlen gibt es nicht, die Schätzungen schwanken zwischen 20 und 50 Millionen Toten. Beispielsweise lebten in Deutschland und Skandinavien um 1300 etwa 11,5 Millionen Menschen. Hundert Jahre nach der großen Pest waren es 7,5 Millionen. Die Regeneration der Bevölkerung setzte erst nach der Mitte des 15. Jh. ein, die Bevölkerungszahl erreichte erst zu Beginn des 16. Jh. den alten Stand. Aber auch schon lange vor dem 14. Jahrhundert hatte es Pestepidemien gegeben. Als Pestjahre sind 888, 1006-09, 1312-13, 1337, 1349, 1370, 1381, 1411-12, 1435, 1521, 1529, 1541, 1563, 1570, 1586, 1588, 1679, 1691,  und 1713-14 bekannt. Die besonders opferreichen Pestepidemien in Österreich waren 1349, 1541 bei denen 1 Drittel der Bewohner von Wien starb, 1588, 1679 mit ca. 12.000 Toten in Wien und 1713-14  mit ca. 9000 Toten in Wien. Zahlen über  die Pestopfer im übrigen Österreich existieren Angaben nur spärlich.

Die Pest in Michaelnbach

Für das Gebiet in und um Michaelnbach ist anzunehmen, dass die europaweite Pest-Epidemie in den Jahren 1348/49 ebenfalls ihre Opfer gefordert hat. Auf dem Gebiet des heutigen Österreich trat die Pest im Sommer 1348 zunächst in Kärnten und der Steiermark, 1349 dann flächendeckend auf. Ausgegangen war die Seuche von der Stadt Caffa auf der Insel Krim, wohin Tataren, welche die Stadt belagerten, die Pest aus Mittelasien eingeschleppt hatten. Durch genuesische Händler breitete sie sich auf dem Land- und Seeweg in ganz Europa aus.

Wie viele Pest-Tote es in Michaelnbach gab kann nicht einmal geschätzt werden, da weder über die Einwohnerzahl, noch über die Pestopfer Aufschreibungen existieren. Erst mit der Einführung des Sterbebuchs im Jahre 1643 wurden Sterbefälle registriert und dadurch überliefert. Aus dem Sterbebuch in Michaelnbach geht hervor dass 1676 im August 35 und im September 15 Leute gestorben sind. Die tatsächliche Zahl der Pestopfer ist unter Berücksichtigung der normalen Sterberate und der fehlenden Einträge im Oktober und November 1676 dennoch mit rund 50 Pestopfer anzunehmen. In den Jahren 1713/14 sind im Sterbebuch keine Abweichungen zur normalen Sterberate zu finden und es kann daher davon ausgegangen werden, dass Michaelnbach damals von der Pest verschont blieb.

 


 

Sterbefälle in den Pestjahren 1676 und 1713 in Michaelnbach

Pest in Michaelnbach

 

1676
1713
Jänner
3
5
Februar
1
1
März
1
5
April
2
2
Mai
0
2
Juni
4
1
Juli
3
4
August
35
2
September
15
2
Oktober
0
1
November
0
1
Dezember
2
3

 

Sterbefälle im Pestjahr 1676 - Vergleich Peuerbach / Michaelnbach

Pest in Michaelnbach

 

Peuerbach Michaelnbach
Jänner
14
2
Februar
9
2
März
16
1
April
19
2
Mai
14
0
Juni
10
4
Juli
29
3
August
164
35
September
81
15
Oktober
24
0
November
16
0
Dezember
14
2

Ab Oktober des Jahres 1676, es war dies der letzte Monat der im Juli ausgebrochenen Pest-Epidemie, beginnen Unregelmäßigkeiten bei den Eintragungen im Sterbebuch. Es entstand in dieser Zeit ein Zerwürfnis zwischen Pfarrbevölkerung und Pfarrer Welti. Die Existenz dieser Diskrepanzen ist zwar in den „Obderennsischen geistliche Raths-Protokollen des Bistums Passau“ von 1682 dokumentiert, aber nicht deren Ursache.  Es wäre denkbar, dass gegenseitige Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit der Pest die Unstimmigkeiten die bis zum Tod von Pfarrer Welti im Jahre 1682 anhielten, hervorgerufen haben. Bei genauerer Betrachtung des Sterbebuchs entsteht der Eindruck, dass die Einträge vom Dezember 1676 bis 1682 nachträglich verfasst wurden und lückenhaft sind. Erst unter Pfarrer Weissbacher wurden vom Schreiber des Sterbebuchs, Schulmeister Caroli Lindtner, die Einträge wieder in der gewohnten Weise verfasst. Es bleibt auch die Frage offen warum im Oktober und November kein einziger Sterbefall dokumentiert wurde. Mögliche Gründe dafür wären; - es gab tatsächlich keinen Sterbefall; - oder aber Pfarrer Welti weigerte sich, wie andere Pfarrer auch, die Seuchenopfer am Pfarrfriedhof zu bestatten; - oder im Zuge der nachträglichen Erfassung der Verstorbenen unter Pfarrer Weissbacher nach immerhin 6 Jahren ließ sich der Todesfall nicht mehr genau rekonstruieren.

 

Die Pestsäulen in Michaelnbach

 

Nach der Pest im Jahre 1676 und 1713 und nach den Franzosenkiegen errichteten die Überlebenden aus Dankbarkeit dafür, dass sie von all diesem Unheil verschont blieben Denkmäler in Form von Pestsäulen, Pestkreuzen und Franzosenkreuzen. In Österreich entstanden derartige Denkmäler in der Zeit von 1650 bis 1820. Viele dieser Pestsäulen sind der Fürsprecherin in Notzeiten der hl. Mutter Gottes, der Heiligen Dreifaltigkeit oder den Pestheiligen Rosalia, Sebastian oder Rochus gewidmet.

 

Die Pestsäule Eichlberger

 

Die Pestsäule Kramerberger

 

Das Franzosenkreuz

 

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